The Sound of Courage – Projektlandschaft Norwegen

Gemeinsam sind wir stärker

Die Gleichstellung und Vielfalt, die wir heute in der norwegischen Popmusik sehen, kommen nicht von ungefähr. Hinter dieser Entwicklung stehen viele kleine und große Kämpfe – und jahrzehntelange zielstrebige Arbeit. Auch wenn der Kampf für Gleichstellung noch lange nicht vorbei ist, wurden seit den 1970er Jahren große Fortschritte erzielt. Diese Veränderungen verdanken wir dem Engagement von Einzelpersonen, politischen Initiativen und der organisierten Arbeit von Gruppen und Institutionen im ganzen Land.

Ein größeres Geschlechtergleichgewicht sowie mehr Raum für vielfältige Geschlechtsidentitäten und Ausdrucksformen haben das Musikleben zunehmend bereichert und vielfältiger gemacht.

Bei diesen Bestrebungen in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts spielen Initiativen wie AKKS, Balansekunst, Teknikk i Balanse, WoNoMute und GRIP eine maßgebliche Rolle.

Vorreiter war AKKS (Aktivt kvinnekultursenter), das Aktive Frauenkulturzentrum.  Für viele junge Menschen – insbesondere für Mädchen, die ein Instrument erlernen oder eine Band gründen wollen – ist diese Organisation damals wie heute von enormer Bedeutung. Sie hat niedrigschwellige Treffpunkte etabliert und Zugang zu Kursen, Proberäumen, Equipment und Auftrittsorten ermöglicht. Für viele war AKKS der erste Einstieg in die Musikszene.

Die Wurzeln von AKKS reichen bis in die Folk-Welle der 1970er Jahre zurück, als immer mehr Frauen begannen, gemeinsam zu musizieren und sich zu organisieren. Der Überschuss des Frauenkulturfestivals auf Kalvøya im Jahr 1979 floss in die Gründung von AKKS, mit dem Ziel, Frauen Ausbildung und neue Möglichkeiten im Musikbusiness zu eröffnen.

Gegründet wurde die Organisation 1982 im alternativen Blitz-Haus in Oslo. Heute ist AKKS eine landesweite Kinder- und Jugendorganisation mit Aktivitäten in mehreren norwegischen Städten. Sie steht allen Geschlechtern offen und legt zugleich besonderen Wert darauf, diejenigen zu fördern, die im Musikleben häufig unterrepräsentiert sind.

Seit fast fünf Jahrzehnten trägt AKKS dazu bei, Türen zu Bereichen zu öffnen, die lange Zeit stark männlich geprägt waren. Die Organisation hat dazu beigetragen, mehr weibliche Vorbilder in der Branche sichtbar zu machen, sicherere Übungsumgebungen zu schaffen und den Anteil von Frauen in technischen und kreativen Berufen – etwa in der Tontechnik, Produktion oder als Musikerinnen – zu erhöhen.

Gleichzeitig hat AKKS auch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Einstellungen innerhalb der Branche zu verändern – sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene.

Balansekunst setzt sich für Gleichstellung und Vielfalt im gesamten Kulturbereich ein, hat seinen Ursprung jedoch 2009 in der Musikbranche. Die Organisation hat insbesondere durch Kurse und Fortbildungen zu Diskriminierung und Inklusion, durch Beratung in Fällen von Übergriffen und Machtmissbrauch sowie durch politische Lobbyarbeit eine wichtige Rolle gespielt

In der Folge richteten Initiativen wie Teknikk i Balanse, WoNoMute und GRIP den Fokus verstärkt auf die technischen Bereiche der Kulturbranche. Durch Kurse, Netzwerke, Praktika, Workshops und Seminare in den Feldern Ton, Licht, Bühnentechnik, Musik und Technologie setzten sie sich dafür ein, diese Bereiche inklusiver zu gestalten.

Das ist von großer Bedeutung, da technische Berufe in der Musikbranche lange Zeit zu den am stärksten männlich geprägten Tätigkeitsfeldern gehörten.

Insgesamt haben diese Initiativen wichtige Impulse für ein inklusiveres Musikleben gegeben. Sie trugen zu einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis, zu mehr Frauen und Minderheiten in technischen und kreativen Schlüsselpositionen sowie zu einem stärkeren Bewusstsein für Diskriminierung und Machtstrukturen bei. Zugleich haben sie dazu beigetragen, kulturelle Räume für mehr Menschen sicherer zu gestalten.

Darüber hinaus schufen sie Netzwerke, Vorbilder und neue Karrierewege für Gruppen, die zuvor ausgeschlossen waren. So erleichterten sie nicht nur Einzelnen den Zugang zur Branche, sondern trugen auch dazu bei, die Strukturen des norwegischen Musiklebens nachhaltig zu verändern.

Synnøve Engevik, Konservatorin am Norwegischen Musikmuseum – Ringve und Rockheim


Together We Are Stronger

The equality and diversity we see in Norwegian pop music today did not happen by chance. Behind this development lie countless small and large struggles, and decades of dedicated work. Although the fight for equality is far from over, significant progress has been made since the 1970s. These changes are the result of the commitment of individuals, political initiatives, and the organized efforts of groups and institutions across the country.

A better gender balance, along with greater space for diverse gender identities and forms of expression, has made musical life richer and more diverse.

Initiatives such as AKKS, Balansekunst, Teknikk i Balanse, WoNoMute, and GRIP have played a crucial role in this development.

A pioneer among them was AKKS – the Active Women’s Cultural Centre. For many young people, especially girls who wanted to learn an instrument or start a band, this organization was, and still is, enormously important. It created accessible meeting places and opened up access to courses, rehearsal spaces, equipment, and performance opportunities. For many, AKKS provided their first entry into the music scene.

The roots of AKKS go back to the folk music movement of the 1970s, when increasing numbers of women began making music together and organizing collectively. The surplus from the Women’s Culture Festival at Kalvøya in 1979 helped fund the creation of AKKS, with the aim of giving women training and new opportunities within the music industry.

The organization was founded in 1982 at the alternative Blitz House in Oslo. Today, AKKS is a nationwide children’s and youth organization with activities in several Norwegian cities. It is open to people of all genders, while placing particular emphasis on supporting those who are often underrepresented in the music world.

For almost five decades, AKKS has helped open doors to fields that were long dominated by men. The organization has helped make more female role models visible, create safer environments for learning and practice, and increase the number of women working in technical and creative professions, including sound engineering, music production, and performance.

At the same time, AKKS has played an important role in changing attitudes within the industry, both locally and nationally.

Founded in 2009, Balansekunst works to promote equality and diversity across the entire cultural sector, though it has its roots in the music industry. The organization has played an important role through training programmes on discrimination and inclusion, through support and advice in cases involving harassment, abuse of power, and misconduct, and through political advocacy.

Following this, initiatives such as Teknikk i Balanse, WoNoMute, and GRIP increasingly focused on the technical areas of the cultural sector. Through courses, networks, internships, workshops, and seminars in sound, lighting, stage technology, music, and technology, they have worked to make these fields more inclusive.

This is particularly important because technical professions within the music industry have long been among its most male-dominated areas.

Taken together, these initiatives have made an important contribution to a more inclusive musical culture. They have helped create a better gender balance, increased the presence of women and minorities in key technical and creative positions, and strengthened awareness of discrimination and unequal power structures. At the same time, they have helped make cultural spaces safer for more people.

They have also created networks, role models, and new career paths for groups that were previously excluded. In doing so, they have not only made it easier for individuals to enter the industry, they have also helped transform the structures of Norwegian musical life in a lasting way.

Synnøve Engevik, Curator at the Norwegian Museum of Music – Ringve and Rockheim