»Die Welt war wie eine große Kuppel voller Klänge.« Else Marie Pade
»Partitur« ist die erste internationale Ausstellung, die der dänischen Komponistin und Klangkünstlerin Else Marie Pade (1924–2016) gewidmet ist – einer Wegbereiterin der Musique concrète und der elektronischen Musik in Europa. Über eine mehrere Jahrzehnte umspannende Karriere hinweg näherte sich Pade dem Klang als einem Medium elektronisch erzeugter Melodien an und erforschte Intensität, Vielheit und Dissonanz. Ihr mannigfaltiges Œuvre umfasst neben den elektronischen Arbeiten Kammer- und Orchestermusik, Musik für Kinder, Begleitmusik für TV- und Hörspiele sowie Musikdramen, die die Hörer·innen durch Märchen, Stadtlandschaften und Albträume führen.
Die Ausstellung bildet einen immersiven Hörraum, der von der Struktur von Pades Partituren geprägt ist. Sie versammelt zehn wegweisende musikalische Arrangements der Künstlerin, die durch den Raum erklingen. Zusammen mit einer Auswahl ihrer Arbeiten auf Papier zeichnet die Ausstellung Pades künstlerischen Werdegang nach, beginnend in den 1950er Jahren, als sie dem französischen Komponisten Pierre Schaeffer begegnete. Als ausgebildete klassische Pianistin wandte sie sich Schaeffers Musique concrète zu, um die abstrakten klanglichen Räume zu bauen, zu denen sie sich seit ihrer Kindheit hingezogen fühlte.
Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern begann Pade, die Töne und Geräusche ihres Zuhauses und in der umliegenden Stadtlandschaft aufzunehmen und neu zusammenzusetzen. Später gründete die Künstlerin das erste Studio für elektronische Musik beim Dänischen Rundfunk (DR) in Kopenhagen, wo sie weiterhin mit dem Einsatz neuer Technologien für die musikalische Komposition experimentierte. Beim Besuch der »Internationalen Ferienkurse für Neue Musik« in Darmstadt in den 1960er Jahren wurden die Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Pierre Boulez zu ihren Mentoren. Mit ihnen stand Pade nun in einem stetigen kreativen Austausch.
Neben ihrem Interesse an Maschinen, Physik, dem Geschichtenerzählen und später in ihrem Leben an christlicher Spiritualität wurzelte Pades musikalisches Verständnis in ihren Erfahrungen, die sie während des Zweiten Weltkriegs als Gefangene des Internierungslagers Frøslev (Dänemark) machte. Dort war sie aufgrund ihrer Beteiligung am Widerstand von Frauen gegen die deutsche Besatzung inhaftiert worden.
Infolge der posttraumatischen Belastungsstörung, mit der sie seit ihrer Haft zu kämpfen hatte, verschlechterte sich Pades Gesundheitszustand, und sie zog sich 1973 offiziell aus der Musik zurück. Ihr Werk geriet in der dänischen Musikgeschichte seit den frühen 1980er Jahren weitgehend in Vergessenheit. Erst seit den 2000er Jahren erfährt es mit zahlreichen neuen Aufnahmen, Remixen und Aufführungen erneute Aufmerksamkeit.
Im Zuge der Ausstellung finden ein Live-Konzert der Cellistin Khabat Abas, im Rahmen von MaerzMusik 2026, und ein Gespräch über das Erbe von Künstlerinnen in der experimentellen elektronischen Musik statt.
Kuratorin: Sofie Krogh Christensen
Foto: KW | Fotograf·in unbekannt