»Ein Teil von mir ist diese dürftige Architektin, die mit dem Problem existierender Strukturen in der Stadt ringt, ein anderer Teil diese Amateurtänzerin, die dem Bauen oder der Wiederaneignung des bebauten Raums ein Gefühl von Rhythmus zurückgeben möchte.« Klara Lidén
Eine frühe Fotografie von Klara Lidén (*1979, SE), »Self Portrait with the Keys to the City« (2005), gilt als charakteristisch für die zwei Jahrzehnte umfassende Praxis der Künstlerin. Die im Titel genannten Keys (Schlüssel) sind Werkzeuge – Bolzenschneider, Schraubenschlüssel, eine Taschenlampe, ein Kanaldeckelheber – die von Lidén dazu eingesetzt werden, die Stadt zu ›öffnen‹ und dabei die für öffentliche Infrastrukturen geltenden Regeln zu testen. Oft unter Einsatz des eigenen Körpers macht Lidén sichtbar, wie diese Strukturen unser Handeln vorzeichnen und wie sich Umgebungen, die von Kontrolle und Ausschluss geprägt sind, navigieren und subtil zurückerobern lassen.
Auf drei Etagen zeigen die KW zentrale Arbeiten von Lidén aus den frühen 2000er Jahren bis heute. »Kunstwerke« ist die erste umfassende Überblicksschau sowie die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Berlin, wo sie seit über zwanzig Jahren lebt.
Als ehemalige Architekturstudentin schöpft Lidén in ihrer künstlerischen Praxis aus den öffentlichen Räumen der Städte, in denen sie gelebt hat – Berlin, New York und Stockholm – und nutzt Materialien, die diesen urbanen Umgebungen entstammen. Karton, Metall, Beton, Holz, Zäune und Straßenbanner werden zu raumbestimmenden Werken; Fundstücke wie Mülltonnen oder Bestandteile kommunaler Beleuchtung werden beinahe unverändert in den Ausstellungsraum überführt. Lidén beschreibt diese Prozesse als unbuilding – ein bewusstes Umnutzen und Transformieren von Objekten.
Ihre Videoarbeiten zeugen ebenso von Lidéns Interesse an der Frage, wie sich Körper in privaten wie öffentlichen Räumen bewegen und wie diese wiederum Bewegung definieren und kontrollieren. Lidén durchquert die Stadt laufend, fallend, kletternd oder tanzend auf Straßen und Straßenschildern, in U-Bahn-Waggons und Abwasserrohren. Dabei setzt sie sich mit der Ästhetik und Funktionalität sozialer Ordnung auseinander und wirft grundlegende Fragen nach Eigentum, Zugang, Nutzung und Teilhabe auf.
Kuratorin: Emma Enderby
Assistenzkurator·in: Lara Scherrieble
Abbildung: Klara Lidén, Untitled (Tumbleweed), 2025, courtesy die Künstlerin (Detail)