»In fast jedem Land gibt es einen botanischen Garten. In diesen Gärten kann man seltsame, wundervolle und geheimnisvolle Pflanzen sehen, die in Nordeuropa nicht heimisch sind. Ein botanischer Garten gleicht dem mythischen Paradies, dem wir im Buch Genesis begegnen – jener Erzählung von Adam und Eva und ihrem Sündenfall.
Der Psychiater und Phänomenologe Carl Gustav Jung (1875–1961) deutete diesen Sündenfall psychologisch als das Erwachen des menschlichen Bewusstseins. Jung sprach auch vom kollektiven Unbewussten. Wenn seine Hypothese wahr ist, können wir davon ausgehen, dass in unserem kollektiven Unbewussten eine tiefe Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies fortlebt. Diese äußert sich heute im starken Bedürfnis des modernen Menschen, zur Natur zurückzukehren.
Botanische Gärten bedienen dieses unterbewusste menschliche Bedürfnis, aber sie schützen auch faszinierende Pflanzen – von denen einige heute vom Aussterben bedroht sind, da die Regenwälder weiterhin abgeholzt werden.
Das biblische Paradies trägt den Namen Eden. Wo es lag, wissen wir nicht. Da jedoch ähnliche Paradiesmythen auch in anderen Kulturen Mesopotamiens existieren, wird angenommen, dass die biblische Erzählung ebenfalls ein Mythos ist. Dennoch lieferte sie Antworten auf die Fragen nach dem Ursprung des Menschen, dem Sinn des Lebens und dem Tod, als es noch keine anderen Erklärungen gab.
Obwohl meine Kunstwerke in dieser Ausstellung gegenständlich sind, sind sie eher Poesie als Realismus. Das gezeigte ›Paradies‹ oder der ›Garten‹ ist fiktiv. Die Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert: Eine Seite zeigt Schwarz-Weiß-Fotografien, während die andere Seite farbige Bilder präsentiert. Ich habe die Schwarz-Weiß-Fotografien gewählt, um meine Identität als Fotokünstler zu betonen. Im Jahr 1975 studierte ich an der Kunstschule in Lahti bei Pentti Sammallahti, und für seine Lehre bin ich bis heute dankbar.« Mauri Olavi Keinänen
Abbildung © Mauri Olavi Keinänen