»Nils Olav Bøes neueste Arbeiten setzen seine langjährige Auseinandersetzung mit dem fotografischen Bild und seinen sichtbaren wie verborgenen Bedeutungen fort. Die gezeigten Fotografien und Filme untersuchen das Verhältnis von Zeit und Motiv und reflektieren über ›hoch-‹ und ›wenig-‹Technologie sowie über Realismus und Vorstellung. Es sind mehrdeutige Themen, die sowohl dystopische als auch utopische Szenarien andeuten. Es liegt ein Nebel über den geheimnisvollen Fotografien und Filmsequenzen. Sie sind eine Aussicht auf karge, verlassene Landschaften. 8-mm-Filmaufnahmen von Felsformationen vor langgezogenen Horizonten flackern grobkörnig und bedrohlich, tief über dem Boden projiziert. Ebenes Land und Andeutungen von Gebäudestrukturen und Zivilisation erscheinen durch einen bläulichen Dunst oder wie schwarz-weiße Gebilde über ödem, kargem Gelände.
Es liegt nahe, die Bilder als postapokalyptische Szenarien und die rätselhaften Konstruktionen als militärische Anlagen zu interpretieren. Sie könnten aber genauso gut das Gegenteil verkörpern: geplante Agrarflächen oder archäologische Ausgrabungen, rituelle Opferstätten aus den Anfängen der Zivilisationen. Oder sie stehen am anderen Ende der Zeit, als Visionen fremder Zivilisationen und der
Besuch anderer Welten.
Diese Bilder entstehen auf denkbar bescheidene Weise, im Studio, in einer Form und einem Format, die erfahrenen Modellbauern bekannt vorkommen dürften. Vermutlich entspricht dies auch der Produktionsweise des erwähnten Science-Fiction-Filmgenres, in dem Umgebungen aus dem Weltraum traditionell mithilfe von Modellen dargestellt werden, die dann aus der Nähe gefilmt und anschließend im Großformat mit verblüffend realistischem Effekt präsentiert werden. Bøe erschafft an seinem Arbeitstisch Miniaturwelten aus Pappe, Plastilin und Lampenlicht. Aus Plastikteilchen werden Büsche und Vegetation, aus Pinselstrichen auf Pappe zarte Wolkenformationen an einem fernen Himmel.
Das Ergebnis der Nahaufnahmen dieser Umgebungen sind ein episches Werk, gleichermaßen dystopisch und visionär, realistisch und abenteuerlich, vor allem aber raum- und zeitlose Welten. Bøes visuelle Orchestrierung von Bildern und Film/Ton eröffnet die Möglichkeit, innere Räume und Zustände zu sehen – auch in uns selbst.« Arve Rød (Auszug aus dem Ausstellungstext »Sonate«, 2024, Hovedøya Kunstsaal Oslo)
In »Sonate II« hat Bøe dieses Konzept weiterentwickelt und neue Fotomotive, eine Skulptur / ein Tableau sowie eine Klangarbeit hinzugefügt.
Abbildung: Nils Olaf Bøe, U.T. (Sonate) #12, 2023-25, 76×95 cm (Detail)