The Sound of Courage – Projektlandschaft Island

Frauen in der Musikszene Islands: Gleichberechtigung, Kreativität und kulturelle Führungsrollen

Island gilt international als Vorreiter in der Gleichstellung von Geschlechtern. Die zunehmende Chancengleichheit hat viele Bereiche der Gesellschaft geprägt, darunter auch die Kunst und die Musik. In der isländischen Musikszene wurden Frauen in den letzten Jahrzehnten zu führenden kreativen Stimmen, die internationale Anerkennung erlangt haben. Ihr Erfolg beruht auf harter Arbeit und Talent, das durch ein offenes Umfeld, starke soziale Bewegungen und politische Reformen gefördert wurde. Dies hat die Inklusion und Teilhabe von Frauen in der Musik begünstigt.

Frauen waren schon immer Teil der reichen musikalischen Traditionen Islands, insbesondere durch Volksgesang, Gemeindechöre und musikalische Bildung. Doch wie in vielen Ländern wurden professionelle Musikkarrieren und Führungspositionen in der Musikbranche lange Zeit von Männern dominiert. Ein bedeutender Wandel setzte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein, als es in Island einen Wandel in Bezug auf die Wahrnehmung von Geschlechterrollen und -verhältnissen gab. Ein Meilenstein war hier der »Frauentag« im Jahr 1975, an dem fast alle isländischen Frauen die Arbeit niederlegten, um ihre unverzichtbare Rolle in der Gesellschaft zu demonstrieren. Dieses Ereignis wurde zu einem Wendepunkt im öffentlichen Bewusstsein und beschleunigte Reformen, die gleiche Rechte und Chancen in den Bereichen Bildung, Beschäftigung und kulturelles Leben förderten.

Seit den 1990er- und 2000er-Jahren hat Island eine bemerkenswerte Anzahl international erfolgreicher Musikerinnen hervorgebracht. Künstlerinnen wie Björk haben durch ihr innovatives künstlerisches Schaffen dazu beigetragen, Island auf die globale Musiklandkarte zu setzen, und neue Generationen von Musikerinnen inspiriert. In den letzten Jahren hat die gefeierte Komponistin Hildur Guðnadóttir internationale Preise für ihre Filmmusik gewonnen, während die Komponistin Anna Þorvaldsdóttir zu einer der weltweit am häufigsten aufgeführten zeitgenössischen Komponistinnen geworden ist. Jüngere Künstlerinnen wie Laufey zeigen, dass Island weiterhin weibliche Talente fördert, die in der Lage sind, ein globales Publikum zu erreichen. Frauen haben sich insbesondere in der zeitgenössischen klassischen Musik, der Filmmusik und in experimentellen Genres einen Namen gemacht und dazu beigetragen, Island als wichtigen kreativen Knotenpunkt zu etablieren.

Trotz dieses Erfolgs besteht weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Der isländische Frauenverband Kítón hat in jüngsten Debatten sichtbar gemacht, dass Männer nach wie vor rund 80 Prozent der registrierten Songwriter·innen ausmachen und den Großteil der Tantiemen erhalten. Dies deutet darauf hin, dass Frauen im Songwriting, in der Produktion und in Führungspositionen der Musikbranche nach wie vor unterrepräsentiert sind.

Mehrere Initiativen setzen sich aktiv für Frauen und geschlechtliche Minderheiten in der Musikszene ein. Eine der wichtigsten ist KÍTÓN, die sich für Chancengleichheit, Vernetzung und die Entwicklung politischer Strategien innerhalb der Musikbranche einsetzt. Ein weiteres einflussreiches Projekt ist Girls Rock! Iceland (Læti), das Musikunterricht und Empowerment-Programme für Mädchen sowie für Transgender-, Queer- und intersexuelle Jugendliche anbietet. Die Organisation verbindet musikalische Ausbildung mit Aufklärung über Gleichberechtigung und soziale Inklusion.

Island engagiert sich zudem intensiv in der internationalen Zusammenarbeit. Im Rahmen der europäischen Initiative Keychange beteiligen sich isländische Organisationen, Festivals und Künstler·innen an Programmen zur Förderung der Geschlechterparität bei Musikfestivals, in Führungspositionen und in der Kreativbranche. Islands führendes Musikfestival, Iceland Airwaves, wurde für seine ausgewogene Geschlechterverteilung im Programm und für die Unterstützung der Keychange-Initiative ausgezeichnet.

Darüber hinaus hat das internationale Netzwerk shesaid.so im Jahr 2022 eine isländische Sektion ins Leben gerufen. Das Netzwerk verbindet Frauen und geschlechtliche Minderheiten, die in allen Bereichen der Musikbranche tätig sind, und stärkt den internationalen fachlichen Austausch.

Frauen haben in den letzten Jahrzehnten in der isländischen Musikszene bemerkenswerte Fortschritte erzielt, doch es bestehen weiterhin Herausforderungen. Island hat ein starkes Ökosystem aus Organisationen, Bildungsinitiativen und internationalen Partnerschaften aufgebaut, die die Gleichstellung der Geschlechter in der Musik sowohl national als auch international fördern. Durch die kontinuierliche Unterstützung in den Bereichen von Inklusion und internationaler Zusammenarbeit wird Island wohl weiterhin eine Vorreiterrolle bei den Bemühungen um eine gerechtere und dynamischere globale Musikkultur einnehmen.

Die Botschaft von Island


Women in Music in Iceland: Equality, Creativity, and Cultural Leadership

Iceland is internationally recognised as a leader in terms of gender equality. This commitment to equal opportunities has shaped many areas of society, including the arts and music. Over the past decades, women have become leading creative voices in the Icelandic music scene and reached international acclaim. Their success is built on hard work and inherent talent, which is fostered by a permissive environment, strong social movements, and political reforms that have fostered inclusion and participation.

Women have always been part of Iceland’s rich musical traditions, particularly through folk singing, community choirs and music education. However, as in many countries, professional music careers and leadership positions within the music industry were long dominated by men. Significant change began in the second half of the twentieth century, when Iceland experienced a broader transformation in gender relations. A landmark moment was the Women’s Day Off in 1975, when almost all Icelandic women stopped working to demonstrate their indispensable role in society. The event became a turning point in public awareness and accelerated reforms that promoted equal rights and opportunities in education, employment, and cultural life.

Since the 1990s and 2000s, Iceland has produced a remarkable number of internationally successful female artists. Artists such as Björk helped place Iceland on the global musical map through their innovative artistic work and inspired new generations of female musicians. In recent years, acclaimed composer Hildur Guðnadóttir has won international awards for her film scores, while composer Anna Þorvaldsdóttir has become one of the most performed contemporary composers worldwide. Younger artists such as Laufey demonstrate how Iceland continues to nurture female talent capable of reaching global audiences. Women have become particularly prominent in contemporary classical music, film music, and experimental genres, helping establish Iceland as an important creative hub.

Despite this success, gender imbalance persists behind the scenes. Recent discussions organised by the Icelandic women’s music association KÍTÓN highlighted that men still account for roughly 80 percent of registered songwriters and receive the majority of royalty payments. This indicates that women remain underrepresented in songwriting, production, and music-business leadership.

Several initiatives actively support women and gender minorities in music. One of the most important is KÍTÓN, which advocates for equal opportunities, networking, and policy development within the music sector. Another influential project is Girls Rock! Iceland (Læti), which provides music education and empowerment programs for girls, transgender, queer and intersex youth. The organisation combines musical training with education about equality and social inclusion.

Iceland is also deeply involved in international cooperation. Through the European initiative Keychange, Icelandic organisations, festivals, and artists participate in programs promoting gender balance in music festivals, leadership positions, and creative industries. Iceland’s leading music festival, Iceland Airwaves, has been recognised for achieving strong gender representation in its programming and for supporting the Keychange pledge.

In addition, the international network shesaid.so launched an Icelandic chapter in 2022. The network connects women and gender minorities working across all areas of the music industry and strengthens international professional exchange.

Women have achieved remarkable progress over the past decades in Icelandic music, but challenges remain. Iceland has developed a strong ecosystem of organisations, educational initiatives, and international partnerships that promote gender equality in music both nationally and internationally. Through continued support for inclusion and international collaboration, Iceland is likely to remain at the forefront of efforts to create a more equitable and dynamic global music culture.

Embassy of Iceland in Germany