Im Zentrum des Programms des diesjährigen Poesiefestivals Berlin stehen drei große thematische Schwerpunkte, die sich über das Festival hinweg entfalten und denen zudem drei Abende explizit gewidmet sind: Mythos, Trauer und ein kritisches Ent-Schreiben eines zumeist weiß und männlich geprägten europäischen Literatur-»Kanons«. Alle drei Schwerpunkte verbindet, dass sie Repräsentationssysteme produktiv stören, Machtverhältnisse sichtbar machen und aus Auseinandersetzung und Reibung heraus neue Formen poetischen Sprechens finden.
An zwei der drei thematischen Festivalabenden wirken auch schwedische Autorinnen mit:
Linnea Axelsson ist eine schwedisch-samische Dichterin und Schriftstellerin mit einem Doktortitel in Kunstgeschichte. Ihr Epos »Ædnan« wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem August-Preis, und war Finalist für den National Book Award für übersetzte Literatur. Ihr neuestes Buch ist der Gedichtband »Sjaunja«. Sie lebt derzeit in Stockholm.
Judith Kiros (*1989) ist eine schwedische Dichterin, Übersetzerin und Kritikerin. Ihr erster Gedichtband »O« (Albert Bonniers Förlag 2019), die Neuerzählung des Othello, wurde für den Lyrikpreis des Schwedischen Rundfunks, den Katapult-Preis und den Debütantenpreis der schwedischen Zeitung Borås Tidning nominiert. 2023 wurde sie für den Prisma-Preis nominiert und erhielt für ihren Gedichtband »Det röda är det gränslösa (dt: Das Rote ist das Grenzenlose)« (Albert Bonniers Förlag 2023) den SvD-Literaturpreis, den Schwedischen Radio-Lyrikpreis und den Mare-Kandre-Preis.
Di, 9. Juni 2026
Gods in the bronze attic throw themselves into mortal poses – Writing Myth
Bei Writing Myth widmen sich zunächst vier Dichter·innen Mythen als lebendigen Erzählformen. Gerade die ältesten Mythen, über Jahrhunderte mündlich überliefert, waren stets von Wandel und Variation geprägt. In den Gedichten dieses Abends erscheinen mythische Figuren in neuen Kontexten, Geschichten werden weitergeschrieben, verschoben oder neu befragt, wo zeitgemäße Fortschreibungen bislang fehlten.
Mit Linnea Axelsson, Ulrike Draesner, Sasha Dugdale, Clara Elena Garcia
Karten 14 / 9 €, erhältlich hier
Mi, 10. Juni 2026, 18 Uhr
Poesiegespräch mit Linnea Axelsson
Karten 9/7 €, erhältlich hier
Mi, 10. Juni 2026, 19.30 Uhr
auf lesbos brennen die zelte – Re-Writing a Canon
Der Abend rückt einen zumeist weiß und männlich geprägten »Kanon« europäischer Literatur selbst ins Zentrum der Auseinandersetzung. Bewusst subversive Umschreibungen, Verschiebungen und Aneignungen zeigen: Dieser vermeintliche Kanon ist eben keine abgeschlossene Größe, sondern ein historisch gewachsenes Gefüge, aus dem eine heutige Bedeutung nur aus einer ständigen kritischen Befragung erwachsen kann.
Mit Jason Allen-Paisant, Lorna Goodison, Judith Kiros, Anna Julian Mendlik
Karten 14 / 9 €, erhältlich hier
Sa, 13. Juni 2026, 17 Uhr
What Shakespeare did not write about – Poesiegespräch mit Jason Allen-Paisant & Judith Kiros
Karten 9 / 7 €, erhältlich hier
Fotos: Linnea Axelsson © Daniel Pedersen; Judith Kiros © Märta Thisner