Dänemark
Felleshus
Lesung

Ulrikka S. Gernes: »Ein Mädchen verließ das Zimmer«

Im Rahmen des Poesiefestivals Berlin

5. Jun 2026, 19:30

Mit »Ein Mädchen verließ das Zimmer« (Gutkind Verlag, 2026; deutsche Übersetzung: Ursel Allenstein) ist erstmals ein Roman von Ulrikka S. Gernes erschienen, der international für Furore sorgt. Gernes‘ Prosa verrät auf jeder Seite das Temperament und Sprachgefühl der Lyrikerin. Das Buch erzählt im Rückblick die Geschichte eines schleichenden Missbrauchs im linksalternativen Milieu der 1980er-Jahre. Die Erzählerin, die damals 14-jährige Tanja, geht ein Verhältnis mit einem deutlich älteren Schriftstellerfreund der Eltern ein. Erstaunlich ist, dass sich dies anscheinend mit Billigung der Familie vollzieht – unter dem Deckmantel einer libertären Sexualmoral, die sich aufgeklärt gibt und gleichzeitig die Augen vor einer offenkundigen Straftat verschließt.

Im Rahmen des Poesiefestivals Berlin liest Ulrikka S. Gernes aus ihrem Roman und wird von der Literaturkritikerin Beate Tröger dazu befragt. Außerdem stellt sie einige neuere Gedichte vor, die von Ursel Allenstein eigens für diese Veranstaltung übersetzt wurden.

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Ulrikka S. Gernes (geboren 1965 in Ängelholm, Schweden) ist eine dänische Schriftstellerin und Lyrikerin. Sie wurde in Schweden als Kind dänischer Eltern geboren und zog im Alter von 22 Jahren nach Kopenhagen, wo sie heute noch lebt. Sie debütierte mit dem Gedichtband »Natsværmer« (Nachtfalter), als sie gerade einmal 18 Jahre alt war. Es folgten zehn weitere Bände, der jüngste erschien 2012 unter dem Titel »Flosset opus for strygere & blæsere« (Zerfleddertes Werk für Streicher und Bläser).

Von ihrem 2012 verstorbenen Übersetzer Hanns Grössel, der sich unter Kolleg·innen einen fast schon legendären Ruf durch seine Übersetzungen von Inger Christensen und Nobelpreisträger Tomas Tranströmer erwarb, liegt eine fertige Fassung ihres im Original 1999 erschienenen Buches »Kamikaze« vor.

Darin verarbeitet Gernes die Nachwirkungen des langsamen Sterbens einer ihr nahestehenden Person und überträgt das Erlebte in kühne, eindrückliche Bilder, etwa wenn es am Ende eines der Gedichte heißt: »Steht die Geschichte deines Lebens / schon geschrieben im Staub auf dem Flügel / eines Kamikaze-Nachtfalters, / der trunken vor Glück in derselben Sekunde / im Flug seiner Vereinigung mit dem Mond / dem Wasserspiegel entgegenstürzt?«

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Die Veranstaltung wird gefördert vom Programm der Lektor·innen für Dänisch im Ausland und findet im Rahmen eines Seminars für die in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätigen Lektor·innen statt.

Die Veranstaltung wird dänisch-deutsch gedolmetscht. Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen.

Büchertisch von PANKEBUCH.

In Zusammenarbeit mit dem Gutkind Verlag, dem Poesiefestival Berlin und den Lektor·innen für Dänisch in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Foto Gernes © Laerke Posselt